Mittelmeerkrankheiten – was Sie wissen sollten

Wer über die Adoption eines Hundes aus Spanien nachdenkt, stößt früher oder später auf den Begriff Mittelmeerkrankheiten. Bei manchen zukünftigen Adoptanten sorgt dieses Thema zunächst für Unsicherheit.

Uns ist deshalb wichtig, offen und verständlich darüber zu informieren – ohne unnötig Angst zu machen.

Was sind Mittelmeerkrankheiten?

Unter dem Begriff „Mittelmeerkrankheiten“ werden verschiedene Erkrankungen zusammengefasst, die insbesondere in südlichen Ländern Europas vorkommen bzw. dort stärker verbreitet sind.

Dazu gehören unter anderem:

  • Leishmaniose
  • Dirofilariose
  • Ehrlichiose
  • Babesiose

Einige dieser Erkrankungen sind längst nicht mehr ausschließlich auf den Mittelmeerraum beschränkt. Durch veränderte klimatische Bedingungen und die Ausbreitung bestimmter Zecken- und Mückenarten können einzelne Erreger beziehungsweise ihre Überträger mittlerweile auch in anderen Teilen Europas und ja, auch in Deutschland, vorkommen.

Der Begriff „Mittelmeerkrankheiten“ ist daher eine gebräuchliche Sammelbezeichnung, geografisch aber nicht immer ganz eindeutig.

Werden unsere Hunde vor der Ausreise getestet?

Ja.

Unsere Hunde werden vor ihrer Vermittlung beziehungsweise Ausreise entsprechend unserer aktuellen tiermedizinischen Vorgehensweise auf relevante Mittelmeerkrankheiten untersucht.

Uns ist dabei wichtig, nicht nur möglichst viele Informationen über den Gesundheitszustand unserer Hunde zu erhalten, sondern diese auch offen an die zukünftigen Adoptanten weiterzugeben.

Sollte bei einem Hund bereits eine Erkrankung bekannt sein oder ein Untersuchungsergebnis auffällig ausfallen, informieren wir darüber selbstverständlich vor der Vermittlung.

Bedeutet ein negatives Testergebnis, dass mein Hund garantiert nicht infiziert ist?

Leider nein.

Ein Bluttest zeigt immer den Gesundheits- beziehungsweise Infektionsstatus zum Zeitpunkt der Untersuchung. Je nach Erkrankung, Zeitpunkt einer möglichen Infektion und verwendetem Testverfahren kann eine Infektion unter Umständen noch nicht nachweisbar sein.

Deshalb kann auch bei einem negativen Ergebnis ein gewisses Restrisiko nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Das möchten wir nicht verschweigen – Transparenz gehört für uns zu einer verantwortungsvollen Vermittlung dazu.

Sollte mein Hund in Deutschland erneut getestet werden?

Wir empfehlen, nach der Ankunft mit der eigenen Tierärztin oder dem eigenen Tierarzt über eine Kontrolluntersuchung auf relevante Reisekrankheiten zu sprechen.

Ob und wann eine erneute Untersuchung sinnvoll ist und welche Tests durchgeführt werden sollten, hängt unter anderem vom Alter des Hundes, seiner Vorgeschichte, dem Zeitpunkt der letzten Untersuchung und den individuellen Risikofaktoren ab.

Häufig wird eine Kontrolle einige Monate nach der Einreise empfohlen. Den für Ihren Hund passenden Zeitpunkt und Untersuchungsumfang sollten Sie mit Ihrer Tierarztpraxis abstimmen.

Ein positives Ergebnis ist nicht automatisch eine Katastrophe

Auch dieser Punkt ist uns wichtig.

Ein positiver Befund bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund schwer erkrankt ist oder keine gute Lebensqualität haben kann. Die Bedeutung eines Befundes ist von der jeweiligen Erkrankung, dem individuellen Gesundheitszustand und weiteren Untersuchungsergebnissen abhängig.

Viele Erkrankungen können heute gut behandelt oder medizinisch begleitet werden.

Bei einem auffälligen Befund sollte deshalb immer eine Tierärztin oder ein Tierarzt die weiteren Untersuchungen und die individuelle Behandlung festlegen.

Offenheit statt falscher Sicherheit

Bei der Adoption eines Hundes aus dem Ausland gehört das Thema Reisekrankheiten dazu. Eine hundertprozentige Garantie kann es trotz sorgfältiger Untersuchungen nicht geben.

Für uns bedeutet verantwortungsvoller Tierschutz deshalb:

testen, informieren, transparent mit Ergebnissen umgehen und unsere Adoptanten für eine sinnvolle Nachkontrolle sensibilisieren.

So möchten wir Ihnen die Möglichkeit geben, eine gut informierte Entscheidung zu treffen und gemeinsam mit Ihrem neuen Familienmitglied bestmöglich in die Zukunft zu starten.

Weitere Informationen zu den einzelnen Erkrankungen finden Sie nachfolgend:

 

Leishmaniose

Übertragung: Hauptsächlich durch den Stich infizierter Sandmücken. Eine direkte Übertragung von Hund zu Hund findet im normalen Zusammenleben nicht statt.

Inkubationszeit: Sehr unterschiedlich – erste Symptome können nach wenigen Monaten auftreten, teilweise aber auch erst Jahre nach der Infektion.

Mögliche Symptome: Hautveränderungen, Haarausfall, Schuppen, schlecht heilende Wunden, Gewichtsverlust, Müdigkeit, vergrößerte Lymphknoten, Krallenveränderungen oder Augenprobleme. Im weiteren Verlauf können auch innere Organe, insbesondere die Nieren, betroffen sein. Manche infizierten Hunde bleiben lange symptomfrei.

Behandlung: Leishmaniose gilt in der Regel nicht als vollständig heilbar, kann heute aber häufig gut medikamentös kontrolliert werden. Viele positiv getestete Hunde führen bei regelmäßiger tierärztlicher Betreuung ein glückliches und lebenswertes Hundeleben.

Gut zu wissen: Leishmaniose ist keine reine „Spanien-Krankheit“. Sandmücken und einzelne Übertragungsfälle werden mittlerweile auch nördlich des klassischen Mittelmeerraums beobachtet.


Dirofilariose (Herzwurmerkrankung)

Übertragung: Durch verschiedene Stechmückenarten. Beim Stich können Larven des Herzwurms (Dirofilaria immitis) übertragen werden.

Inkubationszeit: Die Entwicklung bis zu erwachsenen Herzwürmern dauert ungefähr 6–7 Monate. Deshalb kann eine noch junge Infektion bei einer Untersuchung zunächst unentdeckt bleiben.

Mögliche Symptome: Zu Beginn zeigen viele Hunde keine Beschwerden. Später können Husten, schnelle Ermüdung, Atemprobleme, Leistungsschwäche und Gewichtsverlust auftreten. Bei stärkerem Befall kann das Herz-Kreislauf-System erheblich belastet werden.

Behandlung: Eine Herzwurminfektion ist behandelbar, die Therapie kann jedoch mehrere Monate dauern und richtet sich nach dem Stadium und der Stärke des Befalls. Während bestimmter Therapiephasen ist körperliche Schonung besonders wichtig.

Gut zu wissen: Auch wenn ein Hund zunächst völlig gesund erscheint, kann eine Infektion vorhanden sein. Deshalb sind korrekt gewählte Testzeitpunkte besonders wichtig.


Ehrlichiose

Übertragung: Vor allem durch die Braune Hundezecke. Die Bakterien (Ehrlichia canis) befallen bestimmte Zellen des Immunsystems.

Inkubationszeit: Erste Krankheitszeichen können ungefähr 1–3 Wochen nach der Infektion auftreten. Die Erkrankung kann anschließend unterschiedliche Phasen durchlaufen und auch längere Zeit unbemerkt bleiben.

Mögliche Symptome: Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, vergrößerte Lymphknoten, Nasenbluten oder andere Blutungen sowie Veränderungen des Blutbildes. Manche Hunde zeigen über längere Zeit überhaupt keine auffälligen Symptome.

Behandlung: Ehrlichiose lässt sich insbesondere bei frühzeitiger Erkennung häufig gut mit Medikamenten behandeln. Bei chronischen Verläufen kann die Behandlung schwieriger sein.

Gut zu wissen: Ein positiver Antikörpertest allein sagt nicht immer aus, ob aktuell eine behandlungsbedürftige Erkrankung besteht. Deshalb sollten Testergebnis, Blutbild, mögliche Symptome und gegebenenfalls weitere Untersuchungen gemeinsam beurteilt werden.


Babesiose

Übertragung: Durch bestimmte Zeckenarten. Babesien sind Parasiten, die die roten Blutkörperchen des Hundes befallen und zerstören können.

Inkubationszeit: Je nach Babesienart können erste Symptome bereits nach ungefähr 1–3 Wochen auftreten. Es sind jedoch auch andere Verläufe möglich.

Mögliche Symptome: Fieber, starke Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Schwäche, blasse oder gelbliche Schleimhäute und Blutarmut. Teilweise kann sich der Urin dunkel verfärben. Akute Verläufe können schwerwiegend sein und müssen schnell behandelt werden.

Behandlung: Babesiose ist behandelbar. Welche Medikamente notwendig sind, hängt unter anderem von der jeweiligen Babesienart und dem Gesundheitszustand des Hundes ab.

Gut zu wissen: Babesiose ist inzwischen keine reine Mittelmeerkrankheit mehr. Übertragende Zeckenarten – insbesondere die Auwald-/Wiesenzecke – kommen auch in Deutschland vor und es gibt hierzulande erworbene Infektionen.

 

 

Warum empfehlen wir eine Nachkontrolle?

Auch ein negativer Test vor der Ausreise bietet keine hundertprozentige Sicherheit. Zwischen einer Infektion und ihrer zuverlässigen Nachweisbarkeit kann Zeit vergehen – und diese Zeitspanne unterscheidet sich je nach Erkrankung und verwendetem Testverfahren.

Deshalb empfehlen wir, nach der Ankunft in Deutschland mit der eigenen Tierarztpraxis über eine erneute Untersuchung auf relevante Reisekrankheiten zu sprechen. Häufig ist eine Nachkontrolle einige Monate nach der Einreise sinnvoll.

 

Wichtig!

Ein positiver Test bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund schwer krank ist.

Befunde sollten immer gemeinsam mit dem Allgemeinzustand, dem Blutbild und gegebenenfalls weiteren Untersuchungen tierärztlich beurteilt werden.

Und sprechen Sie auch mit uns, wir haben gute Kontakte zu spanischen Tierärzten und Tierkliniken, die auch noch einmal auf Ergebnisse schauen und Behandlungen vorschlagen können – Sie sind da viel mehr im Thema als unsere deutschen Tierärzte.